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Publikation

Technologische Studien – Band 2

Band 2/2005

Metallstickerei im außereuropäischen Raum. Beispiele aus der Sammlung des Weltmuseums Wien

Sophie Fürnkranz

Die Dekorierung von Textilien mit Metallen kann in unterschiedlichen Techniken geschehen – eine davon ist die Metallstickerei. Diese Bezeichnung bezieht sich auf die verwendeten Materialien. Dazu zählen die Edelmetalle Silber und Gold sowie preisgünstigere Alternativen aus Metalllegierungen, die – manchmal auch nur in dünnen Schichten – auf einen nichtmetallischen Träger aufgebracht werden.

Metallstickerei: Kombination aus Stick- und Applikationstechniken

Im Bereich der Stoffverzierung sind normalerweise Sticktechniken und Applikationstechniken genau zu unterscheiden; die Metallstickerei bildet diesbezüglich jedoch eine Ausnahme: Bei ihr wird mit Draht, Lahn und Metallfäden in diversen Techniken gestickt, und es werden Elemente aus Metall wie etwa Bouillon und Pailletten appliziert.

Anhand von bisher unveröffentlichtem Fotomaterial (Gesamtansichten und Detailaufnahmen) von prächtigen, metallbestickten Textilien des Museums für Völkerkunde Wien wird die außereuropäische Metallstickerei vorgestellt und in ihrem Facettenreichtum detailliert beschrieben. Die zahlreichen Bildbeispiele sollen dem Leser die verschiedenen Sticktechniken aus ganz unterschiedlichen Regionen näher bringen. Neben der ostasiatischen Legetechnik, den bekanntesten muslimischen Metallsticktechniken, der jüdischen Spreng- und Stechtechnik sowie der indischen Bouillonstickerei und deren Kombinationsmöglichkeiten mit diversen Applikationsmaterialien werden auch Prunkstücke der äthiopischen Metallstickerei präsentiert.

Incisions in Caravaggio’s Working Process, from the Illumination of the Subject to the Depiction of Shadows: a Revolution without Heirs?

Marco Cardinali, M. Beatrice De Ruggieri, and Claudio Falcucci

In den letzten Jahrzehnten hat sich die kunsthistorische Forschung eingehend mit der Rolle beschäftigt, die den Ritzzeichnungen im Rahmen der malerischen Technik Caravaggios zukommt. Diese Praxis steht mit der Arbeit des Malers „vor der Natur“ – davanti del naturale – in Zusammenhang. Spuren von Einritzungen wurden an einer Reihe von Gemälden entdeckt, die vorwiegend aus Caravaggios römischer Zeit stammen. Die Untersuchung von Charakteristik und Funktion dieser Markierungen zeigt ihre enge Beziehung zur Angabe von Licht und Schatten. Caravaggios Malprozess ging vom dunklen Ton der Grundierung aus, der durch übereinandergelegte Malschichten gefiltert wurde und in Form von Aussparungen als Mittelton für die Schatten Verwendung fand. Ritzungen erwiesen sich als geeignetes Mittel zur Markierung von Umrissen in Schatten, bei denen die Grundierschichten teilweise sichtbar gelassen (ausgespart) wurden.

Licht und Ritzungen: Caravaggios Technik und ihr Einfluss auf Zeitgenossen

Die Technik Caravaggios, die Modelle in seinem Atelier zu beleuchten, wurde von seinen Zeitgenossen als revolutionär angesehen. Eine Analyse von Lichtquellen und -richtungen in seinen römischen Werken zeigt, dass Caravaggio seine Kompositionen oft aus separaten Elementen zusammensetzte und dass bei diesem Prozess Ritzzeichnungen eingesetzt werden konnten, aber nicht mussten. Die Dornenkrönung des Kunsthistorischen Museums stellt ein wichtiges Beispiel für diesen Arbeitsprozess dar.

Vor kurzem wurde behauptet, dass der Gebrauch von Spiegeln zum Teil das brillante und außergewöhnliche Hell-Dunkel ebenso wie auch den Effekt der in Richtung auf den Betrachter aus dem Bildraum hinausdrängenden Figuren erklären könnte. Die Autoren vermuten, dass Caravaggio spezielle Spiegel verwendet hat, und vergleichen seine Vorgangsweise mit der Technik von einigen seiner Nachfolger, die Ritzzeichnungen seltener und in anderer Weise angewendet zu haben scheinen. Carlo Saracenis Gemälde zeigen ähnliche Ritzungen, die möglicherweise aber zur Definition von Negativräumen zwischen den Formen der Figuren dienten.

Ein Experiment zur römischen Falschmünzertechnik

Matthias Pfisterer und René Traum

Seit der Erfindung des Geldes im 7. Jahrhundert v. Chr. gibt es Nachahmungen und Fälschungen. Meist handelt es sich bei ihnen um Edelmetallmünzen mit einem unedlen Kern oder Münzen von schlechter Metalllegierung. Ende des 2., Anfang des 3. Jahrhunderts kam es in der Münzstätte Rom zu Engpässen in der Kleingeldproduktion, so dass die Versorgung der Grenzgebiete des Römischen Reiches nicht mehr gewährleistet war. Die Geldbenutzer hatten Probleme, die nun hauptsächlich zur Verfügung stehenden hohen Silberwerte aufzulösen, und so entstand ein Markt für eine große Zahl von Kleingeldkopien, die vermutlich von offizieller Seite toleriert wurden. Diese Münzkopien wurden entweder in Tonformen gegossen, wobei diese Stücke gelegentlich noch Gusszapfen aufweisen, oder – um teure Bronze zu sparen – aus einem Eisenkern mit dünnem Buntmetallüberzug zu so genannten Subferraten verprägt.

Experimentelle Rekonstruktion der Herstellung römischer Subferraten

Aufgrund von Restaurierungsarbeiten an römischen Münzen mit Eisenkern aus Österreich kam die Idee auf, die technische Seite der Subferraten auf experimentellem Wege genauer zu hinterfragen. Zunächst wurden Eisenschrötlinge geschmiedet, wobei ein herkömmliches Propangaslötgerät als Feuerstelle diente. Für das Gelingen dieses Experimentes sind die Entfernung des bei fast allen Arbeitsschritten entstehenden Eisenzunders sowie generell große Sorgfalt und Sauberkeit notwendig. Die sauberen geschmiedeten Schrötlinge wurden mit einer aus Kupferspänen, Wasser und Borax bestehenden Paste überschmolzen.

Nach der Feuerverkupferung der Eisenkerne wurde der Prägestempel in glühendem Zustand mit nur einem Hammerschlag von einer Originalmünze abgeformt und gehärtet. Zum Prägen der Eisenmünzen wurden die glühenden und vom Zunder befreiten Schrötlinge auf einen Amboss gelegt, und das Stempelbild wurde mit nur einem Hammerschlag eingeschlagen. Die Mikroskopaufnahmen veranschaulichen eine schöne, lückenlose Verbindung zwischen der dünnen Kupferhaut und dem Eisenkern. Wie die Endprodukte zeigten, führt dieses Verfahren tatsächlich mit relativ geringem Aufwand zu recht befriedigenden Ergebnissen, zumal wir im Gegensatz zu einem antiken Schmied quasi ohne jegliche Vorkenntnisse und Übung ans Werk gingen.

Erfahrungen zur Verbesserung der Aufbewahrung historischer Objekte in nicht klimatisierten Museumsdepots durch Verpackung in Kunststofffolien unter kontrollierten Bedingungen

Martina Grießer, Monica Kurzel-Runtscheiner und Marianne Novotny-Kargl

Im Rahmen eines vom FFF geförderten Forschungsprojektes sollten für eine Serie von Kammdeckelunterlagen und Pferdegeschirren, an denen Korrosion bzw. beginnender Materialabbau festgestellt worden war, die Aufbewahrungsbedingungen in einem nicht klimatisierten Museumsdepot der Wagenburg des KHM durch Verpacken in Kunststofffolien verbessert werden. In Zusammenarbeit mit dem ofi (Österreichisches Forschungsinstitut für Chemie und Technik) wurden zur Entwicklung einer optimierten Verpackungslösung insgesamt vier Folientypen lokaler Hersteller ausgewählt. Diese Folien wurden vor Ort mit einer mobilen Schweißzange zu möglichst passgenauen Säcken verschweißt.

Evaluierung von Verpackungsmaterialien für konservatorische Aufbewahrung unter Luft und Stickstoff

So fand für die Aufbewahrung unter Luft sowohl eine Polyethylen- als auch eine Polyethylen/Polyamid-Verbundfolie Verwendung; für die Verpackung unter Stickstoff, d. h. unter sauerstofffreien Bedingungen, gegen das Fortschreiten der Korrosion wurden jeweils eine EVOH- und eine Aluminiumoxid-beschichtete Folie benützt.

Die Auswertung der mit einer Reihe von Regelhilfsmitteln, Indikatoren und Anzeigegeräten ausgestatteten Verpackungsversuche ergab nach einem Beobachtungszeitraum von 1,5 Jahren folgende Ergebnisse:

  • Alle ausgewählten Folien waren gut zu verarbeiten und gestatteten generell eine gute Durchsicht auf die Objekte und die Kontrollinstrumente.
  • Die für die sauerstofffreie Verpackung verwendeten Folien zeigten eine ausreichende Dichtheit gegen den Durchtritt von Sauerstoff von außen.
  • Die relative Luftfeuchte konnte in allen Verpackungen gegenüber den stark schwankenden Depotbedingungen deutlich stabilisiert werden. Voraussetzung zur Einstellung eines gewünschten, vorgegebenen Feuchtewertes in den Säcken ist jedoch das Verpacken bei geeigneten Umgebungsbedingungen (gewünschte relative Luftfeuchte, mittlere Temperatur). Die Zugabe von vorkonditioniertem Silikagel erwies sich in unserem Fall als dazu weniger gut geeignet.
  • Die verpackten Objekte konnten alle in gutem Zustand erhalten werden, wobei die unter Luft aufbewahrten die besten Erhaltungszustände zeigten. Somit konnten die theoretischen Vorteile der Aufbewahrung unter Stickstoff nicht nachvollzogen werden. Vermutlich durch schwefelhaltige Verunreinigungen aus den verwendeten Sauerstoffabsorbern zeigten als Korrosionsindikator beigefügte Kupferplättchen deutliche Verfärbungen.

Die Restaurierung des Innensarges von der Bestattung des Meri-ib aus Giza

Irene Engelhardt und Elfriede Haslauer

Durch Fundteilung kamen Särge aus Stein und Holz von den österreichischen Grabungen in Giza in die Ägyptische Sammlung des Kunsthistorischen Museums. Die Holzsärge sind wegen ihrer für das Alte Reich typischen Holzkonstruktion besonders interessant. Bretter wurden mittels flacher Brettchendübel zusammengesteckt und mit Runddübeln zusammengenagelt. Das Besondere sind jedoch die Eckkonstruktionen der Wände und des Bodens. Gerade oder gebogene Rillen verbinden je zwei Dübellöcher, durch die das Bindematerial gezogen wird. Die Fixierung geschieht durch Dübelung. Diese Methode wurde bis zum Mittleren Reich (19. Jh. v. Chr.) bei der Konstruktion von rechteckigen Kästen verschiedenster Größe angewandt. An einigen Objekten, vor allem Särgen, ist das Bindematerial noch erhalten; es sind Lederbänder, Kupferdraht und -bänder, Därme.

Bei der Restaurierung des Innensarges Wien Inv.-Nr. ÄS 7803 b konnten in den Schnürrillen noch Reste des ursprünglichen Bindematerials gefunden werden. Einige Rillen waren sogar noch original mit der Kittmasse verspachtelt.

Die Verschnürungsreste wurden im Institut für Histologie und Embryologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien mittels Elektronenmikroskops untersucht. Es sind kollagene Fibrillen mit ihrer charakteristischen Bänderung, die als Sehnen von Haustieren identifiziert wurden.

Das Kittmaterial wurde im Naturwissenschaftlichen Labor des Kunsthistorischen Museums mikrochemischen Tests und polarisationsmikroskopischen Untersuchungen unterzogen.

Jan Gossaert gen. Mabuse, Der hl. Lukas malt die Madonna. Komposition – Maltechnik – Restaurierung

Ingrid Hopfner

Die Lukas-Madonna von Jan Gossaert wird um 1520 datiert. Über die ältere Provenienz des Gemäldes informiert eine handschriftliche Randnotiz des Antwerpener Kunstsammlers Peeter Stevens (1590 – 1668) in seinem Exemplar des Schilder-Boeck von Carel van Mander. Nach unterschiedlichen früheren Zuschreibungen – an Gossaert, Heinrich Aldegrever und die „Alte niederländische Schule“ – gilt das Bild heute wiederum als Werk des Jan Gossaert.

Restaurierung einer Eichenholztafel: Stabilisierung und Rückführung des Erscheinungsbildes

Die Eichenholztafel wurde vermutlich im frühen 19. Jahrhundert etwas beschnitten, gedünnt, mit einem Parkett verstärkt und an Ober- und Unterkante wieder angesetzt. Für die Restaurierung sprachen sowohl ästhetische als auch technische Gründe. Durch das massive Parkett verursachte feine Risse an der oberen Bildkante und Deformationen im Holzträger sowie lokale Haftungsprobleme der Grundier- und Farbschicht gefährdeten das Gemälde. Krepierungen in der Malschicht, nachgedunkelte großflächige Übermalungen und Retuschen sowie ein gegilbter und teilweise vergrauter Firnis beeinträchtigten das Erscheinungsbild.

Ziel der Restaurierung war es, für den Bildträger konservatorisch zuträgliche Bedingungen zu schaffen und bei der Malschicht die Spuren der früheren Eingriffe zu entfernen. Zur Konservierung des Gemäldes war die Abnahme des Parketts notwendig. Eine reversible Stützkonstruktion stabilisiert den 5 – 7 mm starken Holzträger und erlaubt dem Bildträger ein gewisses Maß an Bewegung.

Mikrobiell belasteter Staub in Museumsdepots und Archiven: Personenschutz und Objektschutz

Pamela Thomasson

Der Beitrag bietet Museumskuratoren, Konservatoren-Restauratoren, Gebäudemanagern, Sicherheitsfachkräften und Arbeitsmedizinern eine Übersicht mit weiterführender Literatur zum Thema des unsichtbaren mikrobiell belasteten Staubs in Museumsdepots, Bibliotheken und Archiven, der besonders in den letzten Jahren etliche Erkrankungen des Museumspersonals verursacht hat.

Arbeitsschutz im Depot: Mikrobielle Belastungen, Biozide und Präventionsmaßnahmen

Zunächst werden die Grundlagen des Arbeitsschutzes kurz dargestellt. Es folgt eine Beschreibung der einzelnen Bestandteile des mikrobiell belasteten Staubs, ihrer Entstehung und ihrer Verteilung in der Luft und auf Flächen im Depotbereich sowie ihrer Auswirkungen auf den Menschen. Die bisher nur wenig untersuchte, zusätzliche Belastung durch Biozide und andere gesundheitsgefährdende Materialien wird diskutiert, und es wird auf die Notwendigkeit, die Dokumentation der Objekte um diesen Aspekt zu ergänzen, hingewiesen.

Ein umfassender Plan, der sowohl den nachhaltigen Objektschutz als auch den Personschutz gleichermaßen sichert, wird beschrieben. Er beinhaltet vier Instrumente: ein „Gefahrenblatt“ für Depotobjekte inklusive ihrer Umgebung, regelmäßige dokumentierte Gebäudebegehungen, ein im Alltag einzusetzender Hygieneplan und eine Vorplanung samt Koordinationsplan für größere Sanierungen im Depotbereich.

Es wird betont, dass die Planung und die daraus folgenden Maßnahmen durchaus kostengünstig sind. Die Vorteile einer interdisziplinären Zusammenarbeit und die Notwendigkeit der gegenseitigen Information bei der Durchführung eines Vorsorgeplans werden anhand von Beispielen dargelegt.

Entdecken Sie unsere technologischen Studien

Die Technologischen Studien des Kunsthistorischen Museums Wien sind eine wissenschaftliche Publikationsreihe zu Konservierung, Restaurierung und Forschung.