Halbharnisch
Erzherzog Leopold V. von Tirol ließ sich 1619 anlässlich der Verteidigung Wiens während des Böhmischen Krieges (der Anfangsphase des Dreißigjährigen Krieges) einen zeittypischen Reiterharnisch im niederländischen Stil aus der Innsbrucker Werkstatt seines Hofplattners Hans Jakob Topf nach Wien liefern. Er ist wahrscheinlich im Harnisch mit der Inv.-Nr. A 1534 erhalten, der jedoch keine Marken aufweist. Aufgrund formaler Ähnlichkeiten und ähnlicher Proportionen schrieb Bruno Thomas 1974 auch den vorliegenden schweren Halbharnisch demselben Plattner zu.
Der halbe Harnisch bringt das immense Gewicht von 42,55 kg auf die Waage – der Helm mit Verstärkungsplatten und Vorschnallvisier alleine wiegt 10,75 kg. Dieser massive Halbharnisch sollte Leopold wohl bei Belagerungen in den Schanzgräben den nötigen Schutz bieten. Zum Reiten wäre er aufgrund seines verstärkten Hüftschurzes nicht geeignet gewesen. Die Schussdellen auf Brust und Rücken stammen nicht vom Einsatz in einer Schlacht. Vielmehr handelt es sich hierbei um Beschussproben des Plattners, ein Qualitätszeichen, das die Schussfestigkeit dieser Teile belegte. Der Harnisch ist somit ein Sinnbild für jenen Moment in der Entwicklung kriegerischer Ausstattung, in dem die Schusskraft der Feuerwaffe die Schutzfunktion des Harnischs zu überflügeln begann.
Hans Jakob Topf entstammte einer Plattnerfamilie, die seit dem späten 16. Jahrhundert den Innsbrucker Hof belieferte. Hans Jakob ist ab 1605 als Plattner nachweisbar, er hatte damals Landsknechtsrüstungen für das Zeughaus geschaffen. 1618 diente er als Hof- und Zeughausplattner und hatte auch die Pflege der Rüstkammer auf Schloss Ambras inne.
Gemeinsam mit dem Halbharnisch ist eine Rossstirn überliefert (Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer, Inv.-Nr. A 1530 a). Sie trägt eine niederländische Plattnermarke in Form eines gekrönten Schildes mit drei Adlern und daneben die Initialen »MP«. Auf ihr heute verlorenes Lederfutter war einst ein Wappen mit drei rechten Schrägbalken genäht und mit »Zu Marchio di Pescara rüstung gehörig« beschriftet. Aufgrund dieses Vermerkes wurde der Halbharnisch lange missverständlich Ferdinand Avalos, Marchese von Pescara zugeschrieben.
Titel:
Halbharnisch
Besitzer/in:
Erzherzog Leopold V. Habsburg Österreich , zugeschrieben (1586 - 1633)
Zeit:
um 1620
Objektbezeichnung:
Harnisch
Kultur:
Innsbruck
Besitzer/in:
Erzherzog Leopold V. Habsburg Österreich , zugeschrieben (1586 - 1633)
Künstler/in:
Hans Jakob Topf zugeschrieben (erwähnt 1605, gestorben 1628, tätig in Innsbruck)
Material/Technik:
Eisen, geschmiedet, getrieben, geschwärzt (modern). Schnallen, Ösen, Federhülse: Eisen, feuervergoldet. Visierhalterung, Haken,Knäufchen (Helm): Eisen, blattvergoldet. Nietkappen: Eisen, blattvergoldet. Riemenzungen: Messing, teils feuervergoldet. Textil: Seidensamtfragmente, Baumwolle (modern), Goldborte (modern). Leder (teils modern).
Maße:
ohne Sockel: H. 105 cm, B. 80 cm, T. 57 cmmit Sockel: H. 190 cm, B. 80 cm, T. 70 cmGesamtgewicht exkl. Figurine, exkl. Sockel: 42,55 kg
Stempel / Zeichen:
keine
Bildrecht:
Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer
Inv. Nr.:
Hofjagd- und Rüstkammer, A 1530

Dieses Objekt sucht noch einen Kunstpaten oder eine Kunstpatin!
Mit einer Kunstpatenschaft fördern Sie direkt und nachhaltig die wissenschaftliche Dokumentation, Erforschung, Restaurierung und Präsentation der Bestände unserer einzigartigen Sammlungen. Sie möchten die Kunstpatenschaft für ein bestimmtes Objekt übernehmen? Dann melden Sie sich bei uns! Wir beraten Sie gerne!

