Best of: Die Jagd
Die Jagd war nicht nur ein beliebter Zeitvertreib der sozialen Eliten Europas, sondern auch ein zentraler Bestandteil der höfischen Repräsentation.

Stangenwaffe Jagdspieß: Jagdspießeisen um 1430

Diese von der karolingischen Lanze abstammende Waffe wurde für die Eber- und Bärenjagd verwendet. Auf dem Spießeisen findet sich der österreichische Bindenschild und eine Inschrift. Als Besitzer kommen daher Friedrich V. (seit 1452 als Kaiser Friedrich II, 1415-1498) oder doch eher Herzog Friedrich IV. von Tirol (Friedl mit der leeren Tasche, 1382-1439) in Frage.
Titel:
Jagdspießeisen
Zeit:
um 1430

Blankwaffe: Jagdschwert: Hirschfänger 1496

Dieses Jagdschwert ist ein Meisterwerk der spätgotischen Schwertschmiedekunst. Es lässt sich Hanns Sumersperger zuschreiben, einem Ende des 15. Jahrhunderts in Hall östlich von Innsbruck nachweisbaren Klingenschmied. Die
Zuschreibung sowie die Datierung in das Jahr 1496 ergeben sich durch die enge
Verbindung zu Kaiser Maximilians Lehensschwert (Kunsthistorisches Museum
Wien, Schatzkammer, Inv.-Nr. WS XIV 4), das auf 1496 datiert ist und Sumerspergers Signatur trägt. Mehrere weitere Sumersperger zuzuschreibende Werke
sind erhalten, so etwa ein Kurzschwert in Kopenhagen.Das Jagdschwert ist mit einem in Messing gegossenen, vergoldeten Knauf
ausgestattet. Dieser trägt eine gravierte Inschrift in gotischer Minuskel:
»Maria hilf uns aus der Not«. Den Griff füllen auf den Hauptseiten Zwickel
aus Holz und Bein sowie in der Mitte des Griffs aus Perlmutt geschnitzte
Plättchen mit der Darstellung einer Heiligen, vermutlich Barbara oder Katharina. Die Seitenkanten des Griffes zieren schmale, aus Silber gegossene Leisten mit plastisch geformtem Blatt- und Rankenwerk. Die Parierstange ist
gerade und in sich schraubenförmig gedreht; ihre Enden sind als Hundeköpfe
ausgeformt.Die Klinge des Schwertes ist facettiert geschliffen und weitgehend einschneidig. Im ersten Drittel ist sie in Feuervergoldung auf gebläutem Grund verziert.
Sie zeigt hier auf der Vorderseite die Muttergottes auf der Mondsichel stehend, darüber in gotischer Majuskel: »MARIA HILLF VN/NS AVS NOTTG«. Auf
der Gegenseite findet sich der Heilige Sebastian mit der Inschrift »HIILLF
SANNDT/SEWASTTIANN«.Zu diesem Jagdschwert gehört eine reich verzierte Scheide aus schwarzem
Leder mit zwei kleinen Beimessern und einem Pfriem. Das Schwert stammt
aus der Wiener kaiserlichen Hofgewehrkammer (Nr. 495). Jagdschwerter wurden im 15. und 16. Jahrhundert genutzt, um vom Pferd aus oder zu Fuß Wildschweine und Bären abzufangen. Da dies sehr gefährlich war, konnten Adelige damit ihren Mut beweisen.
Titel:
Hirschfänger
Zeit:
1496

Jagd, Armbrust: Schnepper (Kugelarmbrust) um 1545

Die Kugelarmbrust (auch Schnepper) entwickelte sich im späten Mittelalter
und erreichte im frühen 16. Jahrhundert zunehmend Popularität. Sie ist eine
leichte Armbrust, die ausschließlich bei der Jagd, vorwiegend bei der Hasenund Vogeljagd, Verwendung fand.Im Gegensatz zur herkömmlichen Armbrust kamen hier keine pfeilartigen
Bolzen als Geschosse zum Einsatz, sondern Kugeln, zumeist aus Stein, Blei,
Eisen oder Keramik. Für diese Form der Geschosse war eine doppelte Sehne
mit Wurfbecher nötig. Sie fehlt hier, doch ist die eiserne, vergoldete Zielgabel
mit Hängevorrichtung erhalten.Diese Kugelarmbrust entspricht aufgrund ihrer schlanken, geraden Säule mit
rechteckigem Querschnitt dem westeuropäischen Typus. Sie dürfte Mitte des
16. Jahrhunderts in den Niederlanden geschaffen worden sein. Ihr hölzerner
Schaft ist rot bemalt und mit goldenen Spiralranken und Beineinlagen mit
geschwärztem Zopfmuster verziert. Die Sperrklinke der Hebelspannhilfe am
hinteren Ende der Säule ist in Form einer Schlange gestaltet. Der Bogen zeigt
aufgemalte goldene Laubranken.Die Armbrust war eine noble Jagdwaffe und daher oft ein hochgeschätzter
Besitz. Als Symbol des elitären Ranges des Besitzers/der Besitzerin wurde sie
als persönliches oder auch diplomatisches Geschenk ausgetauscht und war
daher nicht selten hochwertig dekoriert. Die vorliegende Armbrust dürfte
einst Erzherzogin Maria, Schwester Kaiser Karls V., verwitwete Königin von
Böhmen und Ungarn und ab 1531 Statthalterin der Niederlande, gehört
haben. Sie zeigt an der Säule nahe dem Bogen die (beschädigten) Wappen von
Österreich und Burgund. Sie stammt aus der Sammlung von Schloss Ambras
bei Innsbruck und könnte, so wird vermutet, ein Geschenk von Maria an
ihren Neffen Erzherzog Ferdinand II. von Tirol gewesen sein, der sie 1544
besuchte.
Titel:
Schnepper (Kugelarmbrust)
Zeit:
um 1545

Falkenhaube: Falkenhaube Zwischen 1494 und 1508

Die Jagd mit abgerichteten Greifvögeln und Falken, die Beizjagd, hatte in
Europa seit dem Hochmittelalter eine neue Blüte erlebt, dies vor allem durch
Einflüsse aus dem islamischen Raum. So war etwa die Verwendung lederner
Häubchen, um die Jagdvögel vor und nach ihrem Einsatz durch das Verdecken der Augen ruhig zu halten, aus dem arabischen Raum nach Europa
gekommen. Kaiser Friedrich II. meinte in seinem Werk De arte venandi cum
avibus (Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen) aus den 1240er Jahren, es seien
»die Araber gewesen, die sich früher als alle anderen Völker des Ostens«
dieser Hauben bedienten. Da wir »den großen Nutzen einsahen, haben auch
wir es mit den Hauben geübt«.Diese Haube ist Teil einer Gruppe von fünf – ehemals wohl zumindest sechs
– annähernd identischen Hauben. Zwei der erhaltenen Hauben waren für
Habichte vorgesehen, drei für Falken. Die Haube zeigt an den Wangenseiten
jeweils einen Wappenschild. Auf der einen Seite sind die Embleme des Ordens
vom Goldenen Vlies (Andreaskreuz und Feuereisen) zu sehen. Auf der anderen Seite findet sich der römisch-deutsche Königsadler sowie auf dessen Brust
die Wappen von Ungarn, Österreich, Burgund und Tirol. Auf einer der anderen Hauben dieser Gruppe ist statt der Vliesembleme das Wappen von
Mailand-Savoyen erkennbar.Auf Basis dieser Dekorationen lassen sich diese Häubchen Kaiser Maximilian I.
und dessen zweiter Ehefrau Bianca Maria Sforza zuschreiben sowie auf 1494
bis 1508 datieren. 1494 heiratete Maximilian Bianca Maria Sforza, die Tochter
von Galeazzo Maria Sforza, Herzog von Mailand, und Bona von Savoyen.
1508 ließ sich Maximilian zum erwählten Kaiser des Heiligen Römischen
Reiches ausrufen, wonach er in seinem Wappen den einköpfigen Königsadler
durch den kaiserlichen Doppeladler ersetzte.
Titel:
Falkenhaube
Zeit:
Zwischen 1494 und 1508

Besteck, Messer: Vorlegebesteck oder Jagdbesteck (Waidmesser) vor 1549

Titel:
Vorlegebesteck oder Jagdbesteck (Waidmesser)
Zeit:
vor 1549

Zubehör: Jagdtasche, Falknertasche um 1430

Die Tasche besteht aus zwei trapezförmigen Beuteln aus Leder. Die Seitennähte der Beutel sind gezaddelt (Zaddeln sind gezackt geschnittene Fransen).
An der Unterseite hängen pro Beutel jeweils drei kleine Troddeln (kleine
Quasten). Zur Öffnung hin ist das Leder gerafft. An dieser Öffnung sitzt ein
gebogener Beschlag aus ehemals vergoldetem Messing, auf dem ein fantastischer Palast dargestellt ist.Dieses Miniaturgebäude besteht aus filigranen Türmchen, Nischen und Fialen. Zwei Drachen und zwei Löwen flankieren es. Die Spitze bildet ein kleiner
Kuppelbau. Über dem Eingang, in der Mittelachse des Palastes, steht eine
nicht identifizierte Figur. Die Rückseite des Beschlags zeigt auf dem Bügel
und am Gebäude Felder mit Distelblattwerk auf kreuzschraffiertem Grund.
Zu öffnen ist die Tasche, indem die erwähnte stehende Figur leicht zur Seite
gedreht wird. Dies entriegelt den Schließmechanismus und die Vorderseite
des Messingbeschlags (mit den zwei Löwen und der Sockelzone des Gebäudes) klappt nach vorne.Am oberen Ende des Beschlages ist ein dünner Bügel montiert, mit dem der
Träger die Tasche an seinem Gürtel oder an einem Tragegurt fixieren konnte.
Traditionell wurde die vorliegende Tasche als Jagd- oder Falkentasche
beschrieben. Kleine, am Gürtel montierte Taschen dieser Art sind tatsächlich
als Teil der spätmittelalterlichen Jagdausrüstung belegt, etwa im Livre de la
chasse (Buch von der Jagd) von Gaston Phébus (Anfang 15. Jahrhundert).
Schon das Jagdtraktat De arte bersandi aus dem 13. Jahrhundert empfahl:
»Die Pirschjäger sollen an einem Riemen eine Tasche tragen; darin sollen sich
eine weitere Bogensehne, Schnüre, Feuerstein, Feuerstahl und Zunder, Leim,
eine Schere, ein Messer, eine Feile und ein Schleifstein befinden.«Gürteltaschen sind aber auch als elegante Accessoires in festlich-höfischem
Umfeld überliefert. Wichtige Bildquellen hierfür sind niederländische Tapisserien wie die Cäsar-Serie (Niederlande, 1450/70) und der Trajan- und Herkinbald-Teppich (Tournai?, 1440/50), beide in Bern. Im Freydal, dem Turnierbuch Kaiser Maximilians I. von 1512/15, ist ein Einzug von Höflinge zu
sehen, die als Falkner verkleidet sind und ähnliche Falknertaschen tragen.
Titel:
Jagdtasche, Falknertasche
Zeit:
um 1430

Gewehr: Radschlossbüchse frühes 17. Jahrhundert

Diese Radschlossbüchse stammt aus dem Wiener kaiserlichen Zeughaus und
gelangte mit dessen Räumung 1856 in die Hofwaffensammlung im heutigen
Arsenal. 1868 wurde sie in die Hofgewehrkammer übertragen, wo sie unter
Nr. 236 inventarisiert war: »Eine prachtvolle Jagdbüchse mit Radschloß. …
Das Schloß hat 2 Hahnen, welche vergoldet und schön verschnitten sind. …
Der Schaft ist ganz mit Elfenbein fourniert und nur die Kanten und Arabesken
sind mit Holz ausgelegt. … Aus der Zeit Rudolf II.«Die eisernen Teile dieser Büchse lassen sich dem in Prag und München tätigen
Eisenschneider Daniel Sadeler (vgl. Nrn. 80, 81) zuschreiben. Die Fassung
stammt von dem in München arbeitenden Büchsenschäfter Hieronymus Borstorffer d. Ä.; sein Monogramm »HB« findet sich hinter der Schwanzschraube
(Verschluss am hinteren Ende des Laufs). Borstorffer ist 1596 als Geselle
belegt, wurde 1598 Meister und diente dann vor allem dem herzoglichen Hof
in München. Sein Sohn Hieronymus d. J. arbeitete mit ihm, seine Witwe führte
die Werkstatt bis 1665 weiter.Borstorffer verzichtete bei der vorliegenden Büchse – wie bei einer Reihe
weiterer Werke – auf den zu jener Zeit üblichen detailreichen gravierten
Dekor. Stattdessen schuf er eine durch ihre schlichte Eleganz bestechende
Schäftung. Er belegte die Waffe mit weißen Beinplatten, nur die vereinzelten
Arabesken und die Randlinien sind in Ebenholz ausgeführt.Demgegenüber sind der Lauf und das Schloss der Büchse überreich verziert.
Zu sehen sind Blattranken, Fruchtgirlanden, Tritonen im Kampf mit Seeungeheuern etc. Die beiden Hähne des Schlosses enden in drachenartigen
Köpfen. Wie für das Werk Sadelers charakteristisch sind auch hier die erhaben
gearbeiteten Verzierungen gebläut (zum Teil überschliffen) und der Hintergrund vergoldet.
Titel:
Radschlossbüchse
Zeit:
frühes 17. Jahrhundert
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