East meets West: Islamische Waffen
Die Hofjagd- und Rüstkammer verwahrt eine der bedeutendsten internationalen Sammlungen islamischer Waffenkunst. Viele der Stücke gelangten als diplomatische Geschenke oder als Beutekunst in habsburgischen Besitz.

Rossstirn: Stirnschildchen 2. Viertel 16. Jahrhundert

Titel:
Stirnschildchen
Zeit:
2. Viertel 16. Jahrhundert

Sattel: Sattel 1695-1703

Der Sitz dieses Sattels ist mit kirschrotem Samt belegt, der großflächig mit
floralem Muster in Silber- und Goldlahn auf Lederappliken verziert ist. Die
Beschläge an Vorder- und Hintersteg bestehen aus geriefeltem, zum Teil feuervergoldetem Silberblech.Der Sattel wurde im 19. Jahrhundert Kara Mustafa, dem osmanischen Oberbefehlshaber der zweiten Belagerung Wiens im Jahr 1683, zugeschrieben. Er
sei, so hieß es, eines jener Stücke, die damals nach dem Entsatz von Wien
dem Kaiser zu Füßen gelegt worden seien. Archivalische Belege für diese
Zuschreibung fehlen.Seit den 1980er Jahren galt der Sattel als Besitz von Murad Geray. Das auf
dem hinteren Sattelblech eingeschlagene Besitzerzeichen wurde diesem von
1678 bis 1683 regierenden Khan der Krimtartaren zugeordnet. Die Krimtartaren waren Vasallen des Osmanischen Reiches und dienten dem Sultan unter
anderem in den Kämpfen gegen das Habsburgerreich. Murad Geray führte
eine Abteilung von Tartaren während der Belagerung Wiens 1683.Bei dem erwähnten Besitzerzeichen handelt es sich jedoch nicht um jenes von
Murad Geray, sondern um die Tughra Sultan Mustafas II., der von 1695 bis
1703 regierte. 1697 führte er einen Heerzug gegen das habsburgische Reich
an, der für ihn jedoch katastrophal endete. In der Schlacht bei Zenta am
11. September 1697 wurde das osmanische Heer durch Prinz Eugen von Savoyen vernichtend geschlagen.Der vorliegende Sattel könnte als Teil der habsburgischen Beute der Schlacht
bei Zenta in kaiserlichen Besitz gelangt sein. Im Heeresgeschichtlichen
Museum in Wien findet sich das Siegel Mustafas II., das Großwesir Elmas
Mehmed Pasa in der Schlacht von Zenta mitgeführt hatte.
Titel:
Sattel
Zeit:
1695-1703

Köcher: Pfeilköcher um 1550

Titel:
Pfeilköcher
Zeit:
um 1550

Orientalisch: Blankwaffe: Dolch: Krummdolch (Diwandolch) um 1500

Bei diesem Dolch handelt es sich um einen türkischen Diwandolch, der vorne an der Brust befestigt getragen wurde. Dieser Typus wurde am osmanischen Hof von den höchsten Würdenträgern bei Ratssitzungen im Beisein des Sultans getragen. Die Feinheit der Ausführung lässt auf einen persischen Handwerker schließen. Die Waffe wurde 1874 von Dr. Ottokar Freiherr von Schlechta sen., dem Leiter der orientalischen Akademie und Hauptdolmetscher der Internuntiatur bei der Hohen Pforte, in die kaiserliche Sammlung geschenkt.
Titel:
Krummdolch (Diwandolch)
Zeit:
um 1500

Köcher: Bogenköcher um 1550

Der Bogen wurde nach dem Gebrauch in einem Bogenköcher (sadak), den man an der linken Seite trug, versorgt. Auf der rechten Seite hatte der Türke einen Pfeilköcher (tirkes). Der Bogenköcher ermöglichte nicht nur das Befestigen des sonst im Nahkampf hinderlichen Bogens, sondern schützte den sehr empfindlichen Bogen vor Nässe. Da die Bogen gewissermaßen ein Symbol der türkischen Bewaffnung waren, wurden sie vom Sultan als Ehrengeschenk auch an europäische Gesandtschaften gegeben.
Titel:
Bogenköcher
Zeit:
um 1550

Rüstung: Rüstung eines Generals, mit Schild 2. Viertel 16. Jahrhundert

Diese Rüstung kombiniert Ringpanzergeflecht mit Metallplatten, wie es seit
dem späteren 14. Jahrhundert im islamischen Raum nachweisbar ist. Eine der
frühesten Darstellungen dieses Harnischtyps findet sich in einer Ausgabe der
Werke des persischen Dichters Khwaju Kermani von 1396 (London, The British Library, Cod. Add Ms 18113, fol. 23r). Eine größere Zahl von Harnischen
dieser Art ist erhalten, unter anderem aus timuridischer, mamlukischer und
osmanischer Zeit.Dieser mit Arabesken verzierte Harnisch lässt sich als osmanisches Werk des
frühen 16. Jahrhunderts einstufen. Er ist von besonderer Bedeutung, da er auf
Brust und Rücken mit runden Scheiben ausgestattet ist. Diese sind seit dem
Hochmittelalter zunächst im Iran – wohl ursprünglich als Sonnensymbol –
nachweisbar und verbreiteten sich dann bis nach Zentralasien und Europa.
Auf dem Helm finden sich mehrere Inschriften: »Der Sultan, der König, der
Noble« und »Vollendet durch den Waffenschmied Ali« sowie Koranverse.Der Harnisch ist ab 1593 in der Heldenrüstkammer Erzherzog Ferdinands II.
von auf Schloss Ambras bei Innsbruck als jener des »Königs von Kuba in
Indien« (»künig zu Cuba in India«) nachweisbar. Diese Bezeichnung könnte
sich möglicherweise auf das im indischen Gujarat gelegene Cambay beziehen.
Cambay war während des 16. Jahrhunderts ein bedeutendes überregionales
Handelszentrum. In portugiesischen Quellen des 16. und 17. Jahrhunderts
wird es als Caobay oder Cabay bezeichnet. Hier hatte sich unter Mahmud
Shah III., Sultan von Gujarat, ein autonomes Königreich etabliert. Ein »Rey
de cabay« ist im Codex Casanatense 1889 aus dem 16. Jahrhundert (Rom,
Biblioteca Casanatense) dargestellt und schon Marco Polo erwähnt, »Cambay
habe einen eigenen König«. Der Harnisch könnte über die portugiesischen
Handels- und Kolonialwege nach Europa und schließlich in habsburgischen
Besitz gelangt sein.
Titel:
Rüstung eines Generals, mit Schild
Zeit:
2. Viertel 16. Jahrhundert

Orientalische Waffen: Blankwaffe: Dolch: Dolch mit Scheide 2. Viertel 16. Jahrhundert

Titel:
Dolch mit Scheide
Zeit:
2. Viertel 16. Jahrhundert

Rundschild: Rundschild 16. Jahrhundert

Titel:
Rundschild
Zeit:
16. Jahrhundert
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